Meine kleine Clara ist jetzt schon zehn Monate alt. Ich stille sie immer noch. Wir lieben diese wunderbaren Momente der Zweisamkeit. Eine Sache nervt mich allerdings. Es sind die Anderen mit ihren komischen Fragen. Hast du denn überhaupt noch Milch, beißt die Kleine dich denn nicht, wie lange willst du das denn noch machen (etc.)?
Da ist mir eingefallen, dass ich meinen tollen Kochblog habe und beschlossen, an dieser Stelle meine Meinung kombiniert mit knallhartem Fachwissen übers Stillen kundzutun. Die ein oder andere denkt sich jetzt bestimmt, dass muss doch jede Frau für sich wissen. Das glaube ich auch, aber ich musste leider auch feststellen, dass Meinungen und Ansichten sehr stark von der Nahrungsmittelindustrie beeinflusst werden. Deswegen möchte ich mit den Mythen rund ums Stillen aufräumen.
Eines muss ich noch vorweg sagen. Es geht in meinem Artikel nicht darum, jemanden persönlich anzugreifen. Ich möchte einen gesellschaftlichen Missstand aufdecken und zum Nachdenken anregen. Jede Frau, die sich gegen das Stillen entscheidet, hat einen Grund. Wenn sie die Entscheidung gegen das Stillen glücklicher macht, ist das für Mutter und Kind eine gute Alternative. Entscheidet sie sich dagegen, weil sie sich nicht richtig informiert hat, sollte sie meinen Artikel weiterlesen.
Mythos: Die Milch ist alle.
Angebot und Nachfrage, das gibt es nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Milchwirtschaft. Oder habt ihr mal von einem Bauern gehört, der sich beschwert, dass seinen Kühen die Milch ausgeht? Nein! Die Milchproduktion, das haben Frauen gemeinsam mit Kühen und allen anderen Säugetieren auch, regelt sich nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage. Das heißt, so lange die Mutter das Kind regelmäßig an die Brust anlegt, wird auch Milch nachproduziert. Je öfter ein Kind angelegt wird, desto mehr Milch hat die Mama. Man erinnere sich an die Ammen, die früher alle Kinder gestillt haben, weil deren Muttis nicht konnten. Das hat das Überleben der Kinder gesichert. Heute hat man dafür Fläschchen. Also ist es Quatsch, dass die Milch einfach komplett weg bleibt.
Allerdings kann es sein, dass die Milch bei manchen Frauen nicht mehr ausreicht, weil sie zu wenige Milchdrüsen hat. Deswegen muss man aber nicht abstillen, es reicht auch ein Zufüttern mit Flasche. Wenn die Milch wirklich wegbleibt, sollte die Frau noch mal nach ihrer Ernährung schauen, denn es gibt Lebensmittel, die sich sowohl positiv als auch negativ auf die Milchproduktion auswirken. Auch psychosoziale Faktoren können eine Rolle spielen. Es gibt natürlich auch andere gesundheitliche Aspekte, doch kann eine Hebamme in den meisten Fällen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Mythos: Abstillen mit dem ersten Zahn.
Seitdem Clara ihre ersten Zähnchen hat, fragen mich oft Leute, ob ich nicht abstillen möchte, weil ich angeblich gebissen werde. So ein Quatsch. Wenn Kinder an der Brust trinken, können sie gleichzeitig nicht beißen, weil ihre Zunge unter die Brustwarze gelegt und mit ihr die Saugbewegung erzeugt wird. Also würden sie sich selber beißen. Es kann dennoch bei manchen Kindern vorkommen, dass wenn sie fertig sind mit Trinken, sich ausprobieren wollten und zubeißen. Ich habe Clara mal angelegt, als sie nicht wollte und ich wurde tatsächlich gebissen. In diesen Fällen empfehle ich, die kleinen Raubtiere richtig auszuschimpfen. Das klingt zwar sehr hart, aber anders verstehen sie nicht, dass sie das nicht dürfen.
Clara hat dann ganz doll angefangen zu weinen. Ich habe sie getröstet und sie hat es seither nicht mehr versucht. Auch mein kleiner Neffe, der sieben Monate älter als Clara ist, wird noch gestillt. Er hat oben und unten Zähne und beißt auch nicht. Ausschließen lässt es sich allerdings nie ganz, dass Kinder eine Vorliebe fürs Zubeißen entwickeln. Es kann auch bedeuten, dass ein Kind nicht mehr gestillt werden möchte. Es lohnt sich immer das Verhalten seines Kindes genau zu beobachten und auf die Bedürfnisse einzugehen.
Mythos: Nach sechs Monaten die Flasche.
Die meisten Fachleute (Hebammen und Ärzte) sind sich einig, dass sechs Monate voll Stillen das Beste fürs Kind ist und am besten ohne feste Stillzeiten, sondern nach Bedarf des Kindes. Der Meinung bin ich auch. Seit Clara sechs Monate alt ist haben wir nach und nach Beikost eingeführt. Trotzdem bekommt sie zwischendurch, zum Schlafenlegen und nachts die Brust. Clara hat in ihrem Leben noch nie eine Flasche gesehen und das wird sie auch nicht. Es gibt ja auch keinen Grund. Ich habe Milch im Überfluss und sie liebt es, mir so nahe zu sein.
Viele Frauen denken allerdings, dass Kinder nach sechs Monaten Stillen von dort an die Flasche brauchen. Die Konzerne, die Milchersatznahrung vertreiben, propagieren dies auch so in ihrer Werbung. Die wollen ja auch Geld verdienen. Man erinnere sich an den Werbeslogan: „In den ersten sechs Monaten ist Stillen das Beste für ihr Kind, danach Folgemilch….“. Ich sage dazu. Wenn Stillen in den ersten sechs Monaten das Beste fürs Kind ist, warum ist es danach nicht mehr das Beste? Natürlich bedeutet es für viele Mütter ein Stück Freiheit, wenn sie nicht mehr ständig bereit sein müssen. In den meisten Fällen gibt es andere Alternativen zum Milchpulver, z.B. das Abpumpen.
Ich habe in meinem Mutterjahr auch eine berufliche Weiterbildung gemacht, wofür ich an mehreren Wochenenden von morgens bis abends im Seminar hockte. Als Clara noch voll gestillt wurde, kam mein lieber Mann mit und hat sie im Nebenzimmer betreut. So konnte ich meine Freiheit haben, ohne aufs Stillen zu verzichten. Mit der Zeit haben wir Clara immer mehr Brei zugefüttert, so dass die Beiden mittlerweile nicht mehr mitkommen brauchen.
Ich denke es gibt für viele Situationen gute Kompromisse, bei denen die Väter nicht unwichtig sind. Väter können die Einstellung zum Stillen stark beeinflussen, je nach dem wie sie selber dazu stehen. Natürlich haben Mütter einen klaren Bindungsvorteil durch das Stillen und die Väter verständlicherweise Angst ins Hintertreffen zu geraten. In jedem Fall hilft es, darüber zu reden und sich als Eltern über Ängste und Befürchtungen auszutauschen. Ich denke, die meisten Väter wollen das Beste für ihr Kind und das bedeutet eben, dass es so lange wie es geht gestillt wird. Mein süßer Mann sagt immer folgendes, wenn andere ihn fragen, was Clara zu essen bekommt: „Wir stillen noch!“ Es ist einfach toll, so viel Rückhalt zu bekommen.
Was mir sonst noch einfällt.
Ich merke selber, dass ich stundenlang über dieses Thema reden oder schreiben könnte. Es ist schier unerschöpflich. Mir liegt vor allem am Herzen, dass Mütter dieses Geschenk der Natur nicht einfach wegwerfen ohne zu hinterfragen. Die Bindung, die zwischen Mutter und Kind entsteht wird m.E. maßgeblich durchs Stillen beeinflusst. Außerdem plädiere ich dafür, sich eine qualifizierte Hebamme für die Wochenbettbetreuung zuzulegen. In den meisten Fällen kann sie helfen, das Stillen für Mutter und Kind angenehm zu gestalten. Auch Stillen muss erst gelernt werden und nicht alles klappt auf Anhieb. Wenn man stillen will, kann man auch stillen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass die Menschen anfangen die allseits beliebte Flasche zu hinterfragen und sich auf die kostengünstige Variante stürzen, die man immer dabei und die immer die richtige Temperatur hat.
Dir gefällt das Rezept, dann drucke es für alle deine Freunde aus, maile es jedem den du kennst und bring das Rezept zu Facebook.






8. August 2010 um 12:07
Ich war gerade am Zeitunglesen, als dein Artikel im Reader auftauchte, vielleicht mit dem Randaspekt „Allergien“ nicht ganz uninteressant:
Was ist gesünder, Kuhmilch oder Muttermilch?
Daraus: … Kuhmilch oder die daraus gewonnene Fertignahrung gelten dagegen nur als Notlösung. Und wer als Säugling damit gefüttert wurde, erkrankt als Jugendlicher sogar eher an Diabetes – das jedenfalls zeigte vor zwei Jahren eine Untersuchung in den USA.
ALLERGIEN Doch eine aktuelle Studie aus Israel stellt alle diese landläufigen Meinungen nun auf den Kopf. »Frauen, die bereits unmittelbar nach der Geburt ihr Kind mit Babynahrung füttern, die Kuhmilchproteine enthält, verhindern spätere Allergien gegen genau diesen Ernährungsbaustein, der im späteren Alter für sie so wichtig ist«, erklärt Professor Yitzhak Katz von der Universität Tel Aviv. Ein Test an immerhin über 13.000 Säuglingen, die gleich nach der Geburt Kuhmilch bekamen, hatte ergeben, dass diese 19 Mal besser gegen entsprechende Allergien geschützt sind als solche, die erst 15 Tage nach der Entbindung damit ernährt wurden. »Das funktioniert wie eine Art Impfung«, erklärt Katz, der seine Forschungsergebnisse in der jüngsten Ausgabe des »Journal of Allergy and Clinical Immunology« veröffentlicht hatte. …
Die von Katz propagierte Fütterung mit Babynahrung, die Kuhmilchproteine enthält, ist nur als Ergänzung zu verstehen. Ein einziges Fläschchen pro Tag neben dem klassischen Stillen kann schon ausreichen, um Neugeborenen diesen Schutz für ihr späteres Leben mit auf den Weg zu geben. …
8. August 2010 um 12:11
Nachtrag (das sollte noch mit ins Zitat hinein):
… Trotzdem widersprechen die Tel Aviver Ergebnisse den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Die geht davon aus, dass ein Baby erst im Alter von drei bis fünf Monaten mit Kuhmilch gefüttert werden sollte. Aber laut Katz ist das genau die Phase, die aufgrund möglicher allergischer Reaktionen das höchste Risiko darstellt. »Wenn nicht unmittelbar nach der Geburt Babynahrung auf Kuhmilchbasis verwendet wurde, sollte man warten, bis das Kind ungefähr ein Jahr alt geworden ist«, lautet daher sein Rat. …
Lieben Gruß,
Piet
8. August 2010 um 13:48
DAnke für diesen Blog
Ich werde auch irgendwann Mutter. Leider kann ich nicht stillen, da ich medikamente nehmen muss… Aber ich finde4, es bleibt jedem selbst überlassen, wie lang man das kind stillt…… wenn es nicht noch mit 5 Jahren ist, ist doch alles ok
mache ruhig weiter so…… wie alt ist dein kind jetzt?
Lieber gruß
carolin
8. August 2010 um 14:37
“Wenn Stillen in den ersten sechs Monaten das Beste fürs Kind ist, warum ist es danach nicht mehr das Beste? ” Weil bis zu diesem Alter die Vorteile der Muttermilch deren “Nachteile” – erhöhte Pestizidbelastung – eindeutig überwiegen.
Danach sind die Untersuchungsergebnisse widersprüchlich.
8. August 2010 um 18:23
@ Caro
Mein Kind ist jetzt zehn Monate und ich werde sie so lange stillen wie sie will. Das mit deinen Medikamenten tut mir leid, aber ich glaube, dass Milchersatznahrung genau für solche Fälle das Richtige ist.
@ Ulrike
ich gehe natürlich davon aus, dass man sich in der Stillzeit möglichst gesund (d.h. Bio) ernährt. ich würde einer rauchenden Mutter auch nicht empfehlen zu stillen (am besten sie hört sofort ab Schwangerschaft damit auf und raucht auch nicht in der Stillzeit!). Ich frage mich, wer darauf kommt, dass ein Ersatzprodukt besser sei als das Original. Es sind diejenigen, die Geld damit verdienen wollen. Jede gute Hebamme rät einem, möglichst lange zu stillen. Die WHO empfiehlt mind. zwei Jahre zu stillen, davon sechs Monate voll.
Ich sehe zudem die Sache noch ganzheitlicher: Frauen, die Stillen reduzieren das Risiko an Brustkrebs zu erkranken erheblich, je länger desto mehr. Es ist einfach für die Gesundheit von Mutter und Kind das Beste.
Meine kleine Maus war bis jetzt so selten krank und dann immer schnell wieder gesund. Sie hat meine Abwehrkräfte und es kostet mich einfach nichts. Dabei kann ich ihr ganz viel Liebe schenken und das ist unbezahlbar!
@ Piet
Deinen Beitrag finde ich interessant. Zur Zeit diskutieren die Wissenschaftler enorm über die Frage, ab wann bestimmte Lebensmittel (Kuhmilch, Ei, etc.) bei Kindern gegeben werden darf. Ich glaube das letzte Wort ist da lange noch nicht gesprochen.
Danke für eure Beiträge
Winnegirl.
9. September 2010 um 10:22
ich werde im dezember auch mutter und möchte auch sehr gerne stillen.
da es mein erstes kind ist und das alles noch neu für mich ist, finde ich es immersehr interessant andere erfahrungsberichte zu lesen. deine einstellung gefällt mir, danke für den beitrag.
5. Mai 2011 um 14:52
hallo!
ich stille seit 10Monaten,meine tochter ist jetzt 10mon alt und bekam auch nur 1-2mal flaschennahrung welche ihr auch überhaupt nicht schmeckte!
Sie ist nie krank wächst u gedeiht super.manche fragen mich was du stillst noch?dann hab ich das gefühl das es schon ganz schön lange ist,dabei hat meine noch keine zähne u krabbelt erst seit 4wo.sie ist noch quasi ein baby;O)
naja ich wollte bevor sie 1j wird abstillen…ob ich es schaffe weiß ich noch nicht?!
aber ich stille auch gerne u merke das es unserer bindung sehr gut tut!