Politisch korrekt essen

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Es ist ja gar nicht so einfach, sich umweltbewusst zu verhalten. An jeder Ecke lauert eine Umweltsünde und wenn man glaubt, man tue etwas Gutes, hat das meist schon wieder drei negative Effekte nebenbei. Fährt man mit Rapsöl statt mit Diesel, um die CO2 Emissionen zu verringern, muss man sich dem Vorwurf stellen, dass der großflächige Anbau von Raps Monokulturen fördert und den Boden schädigt. Außerdem sondert Raps in der Blüte Lachgas ab, was als noch schädlicher für die Atmosphäre eingeschätzt wird als CO2. Wirkketten dieser Art lauern auch bei der Ernährung und eine ganzheitliche Lösung ist kaum in Sicht.

Was kann man noch konsumieren?

Wir wollen uns ja umweltfreundlich verhalten. Und auch gesund ernähren. Doch ist beides überhaupt unter einen Hut zu bringen? Isst man Sojaprodukte statt Fleisch, weil die Tierzucht nicht nur große Flächen und Biomasse in Form von Futter beansprucht und außerdem für einen Großteil der weltweiten CO2-Emissionen mitverantwortlich gemacht wird, hört man von riesigen Sojaplantagen, die den Boden auslaugen, von Farmern, die Gentechnik verwenden um mehr Erträge zu bekommen, und von Arbeitsbedingungen in den Anbauländern, die alles andere als fair sind.

Neulich hatten wir einen Rabattcode für ein vegetarisches Restaurant in der Post und probierten es aus. Das war richtig lecker und vegetarische Küche ist für mich schon immer eine Überlegung wert, aber die Informationen über den Sojaanbau bekam ich während des Essens nie so richtig aus dem Hinterkopf. Aber die Rinder, die mit ihren Methan-Ausdünstungen die Atmosphäre mehr belasten als der Automobilverkehr, kann man ja auch kaum noch guten Gewissens auf den Teller bringen. Ich muss gestehen, dass Fleisch für mich zur Ernährung gehört und dass es einfach zu viele tolle Rezepte mit Fleisch gibt, als dass ich einfach so darauf verzichten könnte. Und dann hörte ich letztens von In-Vitro-Fleisch, das vielleicht in der Zukunft die tier- und atmosphärenschonende Alternative zu herkömmlichen Tierprodukten werden könnte. Hier die Erklärung:

Fleisch ohne Tiere

In-Vitro kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „im Glas“. Das ist ein Begriff aus den Labors, die viele Vorgänge in gläsernen Petrischalen ablaufen lassen, in Reagenzgläsern oder verschließbaren Glaskolben. Bei In-Vitro-Fleisch geht es darum vielleicht einmal in Zukunft den Fleischbedarf der Menschheit decken zu können, ohne ein einziges Tier zu töten. Klingt ja eigentlich erst mal toll, aber gefühlsmäßig sträuben sich einem doch erst mal die Nackenhaare, oder?

Doch tatsächlich ist es Forschern gelungen, Muskelgewebe und damit faktisch Fleisch in Gläsern wachsen zu lassen. Bei näherer Überlegung wäre das eigentlich eine fantastische Lösung. Denn wieso sollte das Fleisch, dass man schließlich doch nur „tot“ auf dem Teller liegen hat, unbedingt vorher gelebt haben? Es bleibt abzuwarten, ob es den Forschern gelingt, Textur und Aussehen des künstlich erzeugten Fleisches tatsächlich dem des derzeit verkauften Fleisches nachzuempfinden. Geschmack und Geruch werden zur Not wohl von Fooddesignern nachgebessert. Würde ich so was essen? Spontan gesagt: Niemals! …und mit Nachdenken: Ich glaube nicht, aber die Tatsache, dass dann nicht mehr Tausende von Tieren sterben müssten, klingt natürlich schon überzeugend. Was denkt ihr?

Eure Winnegirl

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